Die Zeiten von komplizierten Grafik-Programmen sind vorbei: Um auf Online-Designplattformen wie Canva ansprechende Grafiken zu erstellen, muss man heute kein Mediengestalter mehr sein. Mit Vorlagen, Layouts und anderen Designs wird es kinderleicht gemacht, Layouts und Inhalte formgerecht für Social Media Kanäle zu entwerfen. Dazu werden u.a. auch vorgefertigte Inhalte auf der Webseite von Canva angeboten. Aber darf ich auch unter meinem Canva Account Design-Templates erstellen und diese dann an Kunden gegen Bezahlung weiter verkaufen?

Die Antwort darauf ist, vorab – also vor dem Launch einer Verkaufsaktion- zu checken, ob man dazu berechtigt ist. Entscheidend dafür ist zunächst die Vereinbarung, die ich als Nutzer mit Canva durch Registrierung eines Accounts abschließe.

Die Canva Nutzungsbedingungen (https://about.canva.com/de_de/nutzungsbedingungen/) gelten in der z.Zt. geltenden englischen Fassung (https://about.canva.com/terms-of-use/). Danach ist die Verwendung der “audiovisuellen Inhalte” auf Canva nur zum Zwecke des Streaming erlaubt (Ziffer 3.1., 2. Absatz der Nutzungsbedingungen).  Streaming ist ausdrücklich in den Nutzungsbedingungen definiert als “zeitgleiche digitale Übertragung eines audiovisuellen Werks über das Internet vom Canva-Service zum Gerät eines Benutzers auf eine Weise, welche die Daten für die Echtzeitanzeige bestimmt und nicht dazu, vom Nutzer kopiert, gespeichert, dauerhaft heruntergeladen oder weiterverbreitet zu werden”. Entscheidend hier für dein Produkt  ist insbesondere die Wendung “weiterverbreitet”, auf Englisch “redistributed”; will heißen der Vertrieb von Inhalten des Canva Service ist nach den Nutzungsbedingungen grundsätzlich nicht erlaubt.  

Jedoch ist Canva nicht nur eine Online Design Plattform, sondern auch ein sog. Medien- Lizenzservice. Danach können Inhalte, die mit User Content auf Canva bzw. mithilfe von Canva erstellt werden, über den Canva Service (“Klicke hier”, “Vorlage teilen”) verkauft werden, wenn und soweit eine entsprechende Lizenz durch Canva erworben worden ist. Canva bietet dem Nutzer dafür verschiedene Lizenzen an, die unter https://about.canva.com/license-agreements/ abrufbar sind. 

Danach wird klar, dass ein Verkauf bzw. Vertrieb von Templates nur unter den Bedingungen der sog. “Extended Licence” möglich und erlaubt ist. Templates für Dritte bzw. für ein Netzwerk zum Weiterverkauf sind grundsätzlich nicht in der Free Media License enthalten, die der Standard Account der meisten Nutzer ist, weil er nichts kostet. Werden unter einer sog. Canva Free Media Licence entgeltlich Inhalte des Canva Service angeboten, dann liegt darin ein Vertragsverstoß und zugleich eine Rechtsverletzung. Mögliche Folgen sind Abmahnung, Unterlassung und Schadensersatz von mehreren tausend Euro. Das Risiko besteht durchaus, auch wenn viele Nutzer glauben, Canva.com sei weit weg vom Geschehen. Eine Abmahnung kann auch noch nach vielen Jahren erfolgen, denn es kommt nicht auf den Zeitpunkt der Vermarktung der Templates an, sondern auf den Zeitpunkt, an dem Canva davon Kenntnis erlangen wird. Jede Aktion hinterlässt auch digitale Spuren im Netz, die noch über Jahre hinweg nachverfolgbar sind.

Zu beachten ist weiter, dass es sich beim Designentwurf um originäres Design des Nutzers handeln muss, dass mit gemeinfreien Grafiken, Fotos oder Bildern gestaltet worden ist (keine Nutzung von urheberrechtlich geschützten Materialien) und eine (kostenpflichtige) Lizenz zum Vertrieb/Weiterverkauf von Canva.com erworben worden ist. Canva.com stellt hierfür dann auch das Online Tool zum Abruf zwecks (Weiter-) Verkaufs zur Verfügung https://support.canva.com/legal/terms-of-use/selling-canva-templates/

Wichtig ist auch zu wissen, dass der Verkauf je Template Design jederzeit mengenmäßig von Canva beschränkt werden kann (z.B. 25 Stück pro Tag/pro Design). Auch eine Überschreitung der z.Zt. geltenden mengenmäßigen Beschränkung führt daher zu einer Rechtsverletzung, die zu einer teuren Abmahnung von einigen Tausend Euro, veranlasst durch den Rechteinhaber, führen kann.