Heu­te geht es um ein The­ma, das auf Insta­gram (@instafootprintdesign) heiß dis­ku­tiert wird. Und das ist Copy­right auf Insta­gram und den fei­nen Unter­schied von Inspi­rie­ren und Kopie­ren. Dazu war ich zu Gast bei Katha­ri­na Ursi­nus im Pod­cast. Nach­fol­gend gehen wir hier noch­mals auf alle dort gestell­ten Fra­gen ein.

Was ist Copyright und worauf lässt es sich überhaupt anwenden?

Copy­right ist zunächst ein anglo-ame­ri­ka­ni­scher Begriff. Wir in Euro­pa und ins­be­son­de­re Deutsch­land ver­ste­hen dar­un­ter das Urhe­ber­recht und zwar als sog. Urhe­ber­per­sön­lich­keits­recht. Geschützt wird jede per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung. Damit sind alle Wer­ke ins­be­son­de­re Musik­wer­ke, Film­wer­ke, Bil­der, Fotos, Bücher oder auch Com­pu­ter­pro­gram­me geschützt. Im Bereich der ange­wand­ten Kunst wie Gra­fi­ken, Tex­ten etc. kommt es auf die inno­va­ti­ve Erschei­nungs­form an. Han­delt es sich um eine inno­va­ti­ve, ori­gi­nä­re geis­ti­ge Leis­tung kann es in sei­ner Form unter den Urhe­ber­schutz fal­len. Dabei ist aller­dings der Gebrauchs­zweck des Pro­duk­tes auch mit­zu­be­rück­sich­ti­gen. Der Ein­zel­fall ent­schei­det. Wird aber eine geis­ti­ge Leis­tung in den Urhe­ber­rechts­schutz auf­ge­nom­men, dann sind Drit­te grund­sätz­lich von deren Benut­zung aus­ge­schlos­sen.

Was ist Inspiration und was ist Kopie? Ist das Nachstellen von Fotos auch Diebstahl? 

Am bes­ten läßt sich der Begriff “Inspi­ra­ti­on” nega­tiv abgren­zen, näm­lich mit der Fra­ge was ist eigent­lich eine Kopie in der digi­ta­len Welt. Off­line, ver­steht man unter Kopie, das Ablich­ten und Ver­viel­fäl­ti­gen eines Schrift- oder Foto­wer­kes mit­hil­fe eines Kopie­rers. Im Unter­schied zur Off­line Welt wird das “Kopie­ren”, also das Ver­viel­fäl­ti­gen eines Wer­kes, online durch draht­lo­se Ver­öf­fent­li­chung und öffent­li­che Zugäng­lich­ma­chung im WWW und Social Media bewirkt. Das rechts­wid­ri­ge Kopie­ren und damit eine Rechts­ver­let­zung des Urhe­bers fin­det immer dann statt, wenn ein Werk, ohne oder gegen den Wil­len des Urhe­bers, so wie es steht und liegt, also auf dem Account des Urhe­bers erscheint, von einem ande­ren Nut­zer an- und zuge­eig­net wird, damit effek­tiv “weg­ge­nom­men” (z.B. Durch Screen­shot) wor­den ist, obwohl natür­lich online tat­säch­lich das Werk noch im Account des Urhe­bers ver­bleibt.

Grund­sätz­lich ist die zugrun­de­lie­gen­de Idee eines Wer­kes aber nicht vom Urhe­ber­schutz erfasst. Bei­spiel: Ablich­tung eines Son­nen­un­ter­gan­ges. Es kann auf Insta­gram vor­kom­men, dass zwei Selbst­stän­di­ge ein Bild eines Son­nen­un­ter­gan­ges mit Blick auf den Strand ein­stel­len. Unab­hän­gig davon, wer die­se Idee zuerst hat­te, ist das Über­neh­men die­ser Idee von einem ande­ren Nut­zer für ein neu­es Bild mit Son­nen­un­ter­gang und Strand für den eige­nen Account nicht vom Urhe­ber­schutz erfasst. Dage­gen stellt es eine Rechts­ver­let­zung des Urhe­bers dar, wenn die­ser Nut­zer ohne den Wil­len des Urhe­bers, des­sen Foto, wel­ches auf des­sen Account erschie­nen ist, ein­fach “screen­s­ho­tet” und in sei­nen Account über­führt.

Meine Inhalte: Ich bin Urheber. Wie gehe ich vor, wenn ich kopiert werde?

Zunächst Bewei­se sichern, am bes­ten durch einen Screen­shot. Dann die Per­son hin­ter dem Account iden­ti­fi­zie­ren. Das kann in der Pra­xis dann kri­tisch sein, wenn die Per­son nicht mit ihrem Klar­na­men auf­tritt oder es sich um einen Fake Account han­delt. 

Dann ist zu über­le­gen, wie gegen den Rechts­ver­letz­ter vor­zu­ge­hen ist. Han­delt es sich um einen Bekann­ten oder Freund aus der Com­mu­ni­ty kann u.U. erwo­gen wer­den, mit ihm oder ihr erst­mal per­sön­lich Kon­takt auf­zu­neh­men. Die Ent­schei­dung dar­über aber, ob ein Anwalt ein­ge­schal­tet wer­den soll, soll­te aber an der Fra­ge: “Ist mir ein spür­ba­rer Scha­den durch die Rechts­ver­let­zung ent­stan­den?” fest­ge­macht wer­den. Bei­spiels­wei­se wur­de das “geklau­te” Foto für eine ande­re Wer­be­kam­pa­gne ver­wen­det durch die vie­le Klicks gene­riert wor­den sind.

Ent­schei­det man sich zur per­sön­li­chen Kon­takt­auf­nah­me ist es wich­tig, dem Ver­letz­ter nach­drück­lich auf die Rechts­ver­let­zung hin­zu­wei­sen und ihn auf­zu­for­dern inner­halb einer kurz bemes­se­nen Frist die sofor­ti­ge Löschung der Datei aus dem Account und sons­ti­gen Daten­trä­gern zu vor­zu­neh­men. Dar­über hin­aus ist ein Hin­weis nötig, dass im Wie­der­ho­lungs­fal­le eine Abmah­nung durch den Anwalt ein­schließ­lich Scha­dens­er­satz­zah­lung droht und die Kos­ten dafür ihm auf­er­legt wer­den. 

Wenn dei­ne For­de­rung ande­rer­seits berech­tigt ist und dei­ne Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft sind, weil der Ver­letz­ter z. B. dei­ne Löschungs­auf­for­de­rung ein­fach igno­riert oder nur lee­re Ver­spre­chun­gen macht, hilft dir die Abmah­nung durch den Anwalt, denn die Abmah­nung eines Anwalts hat Wir­kung. Ver­streicht die vom Anwalt gesetz­te Frist, muss der Ver­let­zer mit einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung und gar Kla­ge rech­nen und es wird rich­tig teu­er für den Rechts­ver­let­zer. Im Gegen­satz zu der per­sön­li­chen Kon­takt­auf­nah­me ver­langt der Anwalt auch direkt eine Unter­las­sungs­er­klä­rung. Die Besei­ti­gung der Rechts­ver­let­zung kann dabei nur über die Abga­be einer sog. straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­er­klä­rung hin­sicht­lich des kon­kre­ten Wer­kes (z.B. Foto) erfol­gen, das auf Insta­gram ver­wen­det wor­den ist. Das ist stän­di­ge Recht­spre­chung der Gerich­te. Die Unter­las­sungs­er­klä­rung ver­pflich­tet den Ver­let­zer dau­er­haft und ver­bind­lich gegen­über dem abmah­nen­den Urhe­ber, ein bestimm­tes Ver­hal­ten (hier: Kopie­ren eines bestimm­ten Fotos) künf­tig zu unter­las­sen und im Wie­der­ho­lungs­fal­le an den Urhe­ber eine ange­mes­se­ne Ver­trags­stra­fe ( in der Regel zwi­schen 5.000 Euro und 10.000 Euro) zu zah­len. 

Fremde Inhalte: Ich nutze sie. Wie teile ich fremde Inhalte richtig? Muss ich vor einem Repost um Erlaubnis fragen, obwohl ich den Account verlinke?

Frem­de Inhal­te kann ich grund­sätz­lich nur mit Ein­ver­ständ­nis des Berech­tig­ten nut­zen. Je nach Art und Umfang der gewünsch­ten Nut­zung des Bild- oder Text­ma­te­ri­als soll­te ent­we­der ein Ver­trag über die Nut­zungs­rech­te, also eine Lizenz­ver­trag (etwa bei Social Media Kam­pa­gnen gro­ßer Accounts) oder ein Model­ver­trag ( etwa bei der Nut­zung von Por­traits) oder die spe­zi­fi­sche Ein­wil­li­gung der Per­so­nen, die auf dem Foto erschei­nen, ein­ge­holt wer­den. Dies kann grund­sätz­lich per E‑Mail oder auch punk­tu­ell per DM auf Insta­gram gesche­hen. Inhal­te tei­len darf ich etwa mit einem aus­ge­hen­den Link, der auf den Account des Inha­bers ver­weist. In die­sem Fall ist kei­ne Ein­wil­li­gung not­wen­dig.

Wie kann ich mich schützen? 

Einen 100%igen Schutz gibt es nicht.  Aller­dings gilt: Je mehr ich den Markt in mei­nem Bereich als Selbst­stän­di­ger durch­drin­ge und je bekann­ter mei­ne (per­sön­li­che) Brand ist, des­to mehr Schutz kann ich bean­spru­chen. Denn durch das Bran­ding kön­nen Inhal­te schnel­ler einer Per­son zuge­ord­net wer­den.