Wäh­rend es frü­her oft­mals eher ein­deu­ti­ge Arbeits­ver­hält­nis­se gab – Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber – gibt es heu­te zahl­rei­che Arbeits­mo­del­le. Immer mehr Men­schen arbei­ten als Free­lan­cer oder als freie Mit­ar­bei­ter und sind somit recht­lich von Arbeit­neh­mern zu unter­schei­den. Wir zei­gen euch, wor­in sich die Arbeit als frei­er Mit­ar­bei­ter und als Arbeit­neh­mer unter­schei­det und wor­auf ihr ach­ten müsst, wenn ihr einen Free­lan­cer anstellt. 

Was kennzeichnet einen freien Mitarbeiter bzw. Freelancer aus?

Grund­sätz­lich unter­schei­den sich freie Mit­ar­bei­ter von Ange­stell­ten dar­in, dass sie mit dem Arbeit­ge­ber kei­nen fes­ten Arbeits­ver­trag haben, son­dern auf Abruf bzw. Stun­den­ba­sis arbei­ten. Freie Mit­ar­bei­ter und Free­lan­cer arbei­ten selbst­stän­dig für ein bestimm­tes Pro­jekt oder Auf­ga­ben­be­reich und sind frei von Wei­sun­gen. Sie zah­len kei­ne Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge an die Ren­ten­kas­se und sie sind nicht in die Betriebs­or­ga­ni­sa­ti­on des Auf­trag­ge­bers ein­ge­bun­den. Teil­wei­se wer­den Werks- oder Dienst­ver­trä­ge geschlos­sen, um die freie Beauf­tra­gung in einen ver­trag­li­chen Rah­men zu brin­gen. Ins­be­son­de­re im Online-Bereich wird immer häu­fi­ger auf Free­lan­cer für bestimm­te Pro­jek­te zurück­ge­grif­fen: Eine Gra­fik muss erstellt wer­den, ein Video soll gedreht wer­den oder ein Social Media Account gema­na­ged? Meist fällt die Wahl auf einen frei­en Mit­ar­bei­ter, da die Pro­jek­te oft neu oder ohne­hin zeit­lich begrenzt sind. Die Zusam­men­ar­beit mit einem Free­lan­cer ist deut­lich unver­bind­li­cher als fes­ten Mit­ar­bei­ter ein­zu­stel­len.

Was sind die Vorteile eines Freelancers, gibt es Nachteile?

Für Unter­neh­mer und Arbeit­ge­ber ist die Beauf­tra­gung eines Free­lan­cers in der Regel ein­fach und vor­teil­haft: Man muss für den frei­en Mit­ar­bei­ter kein Urlaubs­geld, kei­ne Sozi­al­ab­ga­ben und kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung bezah­len. Der Mit­ar­bei­ter kann orts­un­ge­bun­den arbei­ten, was im Trend und ein Pen­dant zum Arbei­ten im Home Office ist und vie­len Mit­ar­bei­tern bei der Ver­wer­tung ihrer Arbeits­kraft ent­ge­gen kommt. Falls man die Zusam­men­ar­beit been­den möch­te, kann ein Free­lan­cer auch schnell und rela­tiv unauf­ge­regt inner­halb ver­ein­bar­ter Kün­di­gungs­fris­ten gekün­digt wer­den, gesetz­li­che Arbeit­neh­mer­rech­te und Kün­di­gungs­schutz­fris­ten gel­ten hier nicht. Das Arbeits­ge­richt ist in der Regel für Rechts­strei­tig­kei­ten nicht zustän­dig.

Fallstrick Scheinselbstständigkeit des freien Mitarbeiters

Der Unter­schied freie Mit­ar­bei­ter und Ange­stell­te ist, dass der freie Mit­ar­bei­ter selbst­stän­dig Gewer­be­trei­ben­der ist. Und genau das erweist sich bei Free­lan­cern und frei­en Mit­ar­bei­tern oft als schwie­rig, wenn der Free­lan­cer oder die freie Mit­ar­beit sich im Wesent­li­chen auf einen (gro­ßen) Auf­trag­ge­ber beschränkt und sei­ne Arbeits­kraft nicht ander­wei­tig ein­setzt bzw. ein­set­zen kann, weil ein qua­si (wirt­schaft­li­ches) abhän­gi­ges Ver­hält­nis zu einem Auf­trag­ge­ber besteht. Je nach Umstand und Fall kann die Ren­ten­kas­se dann schon mal die Schein­selbst­stän­dig­keit fest­stel­len.  Schein­selbst­stän­dig­keit liegt in der Regel vor, wenn ein Mit­ar­bei­ter als Selbst­stän­di­ger auf­tritt, obwohl er von der Art der Tätig­keit zu den abhän­gig Beschäf­tig­ten (Arbeit­neh­mern) zählt. Ist die Schein­selbst­stän­dig­keit erst ein­mal fest­ge­stellt, dann wer­den Free­lan­cer als Arbeit­neh­mer qua­li­fi­ziert und müs­sen Kranken‑, Pfle­ge- Arbeits­lo­sen- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nach­zah­len. Die Beur­tei­lung der Schein­selbst­stän­dig­keit ist Ein­zel­fall­ent­schei­dung und hängt von der wirt­schaft­li­chen Lage des frei­en Mit­ar­bei­ters einer­seits und der Schutz­be­dürf­tig­keit des frei­en Mit­ar­bei­ters ande­rer­seits ab. Abzu­stel­len ist dem­nach auf den Grad der Abhän­gig­keit von der Betriebs­or­ga­ni­sa­ti­on, auf die Höhe der Arbeits­ent­gel­te der beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer und auf die wirt­schaft­li­che Ent­schei­dungs­frei­heit des jewei­li­gen Mit­ar­bei­ters. 

Wie sollte ein Vertrag aussehen?

Mit­ar­bei­ter und Auf­trag­ge­ber kön­nen durch schrift­li­che Ver­ein­ba­rung fest­le­gen, was Gegen­stand und Inhalt des Auf­trags­ver­hält­nis­ses ist und damit ent­schei­dend im Vor­feld die Bedin­gun­gen der Zusam­men­ar­beit fest­le­gen. Dadurch kön­nen juris­ti­sche Nach­tei­le ver­mie­den wer­den. Wich­tig ist, dass die freie Mit­ar­beit Gegen­stand des Auf­trags bleibt und zwar als Dienst- oder Werk­ver­trag. Fol­gen­de Regeln sind zu beach­ten:

Art und Umfang der Tätig­keit: Dies scheint selbst­ver­ständ­lich, aber die Ver­ein­ba­rung soll­te die Leis­tun­gen nen­nen. 

Ver­gü­tung. Die Ver­gü­tung für die zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen ist fest­zu­le­gen.

Auf­wen­dungs­er­satz. In der Ver­ein­ba­rung soll­te fest­ge­legt wer­den, wer Fahrt- und Rei­se­kos­ten trägt

Ver­trau­lich­keit. Es ist sinn­voll, eine Ver­trau­lich­keits- oder Geheim­hal­tungs­er­klä­rung in eine Ver­ein­ba­rung zum Schutz der Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se des Auf­trag­ge­bers. 

Haf­tung & Gewähr­leis­tung. Haf­tungs­be­gren­zun­gen kön­nen für leich­te Fahr­läs­sig­keit des Mit­ar­bei­ters geschlos­sen wer­den.

Kon­kur­renz. Der Auf­trag­neh­mer soll­te auch für ande­re Auf­trag­ge­ber tätig wer­den. Aller­dings kön­nen im Ein­zel­fall auch nach­träg­li­che Wett­be­werbs­ver­bo­te ver­ein­bart wer­den oder ein Kon­kur­renz­ver­bot mit dem unmit­tel­ba­ren Wett­be­wer­ber.

Arbeit­neh­mer- oder Unter­nehmer­ei­gen­schaft. Für die steu­er­li­chen und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Belan­ge ist auf die Aus­ge­wo­gen­heit zwi­schen Anbin­dung an das Unter­neh­men (höchst­per­sön­li­che Arbeits­leis­tung) einer­seits und Unab­hän­gig­keit des Mit­ar­bei­ters bei der Aus­übung der Tätig­keit (betrieb­li­che Anwe­sen­heit, Ver­fü­gung von Betriebs­mit­tel, Wei­sungs­frei­heit) ande­rer­seits zu ach­ten.