Spä­tes­tens seit den gro­ßen Abmahn­wel­len, wis­sen die meis­ten Nut­zer, dass die Ver­wen­dung von Bil­dern oder ande­ren Wer­ken im Inter­net nicht ein­fach kopiert wer­den darf.  Ande­rer­seits bie­ten Stock Archi­ve, Bil­der unter sog. Crea­ti­ve Com­mons Lizenz, die größ­ten­teils mit dem Satz  “frei von Urhe­ber­rech­ten” im Inter­net bewor­ben wer­den. Die Urhe­ber­rech­te blei­ben jedoch ent­ge­gen die­ser Mei­nung nach deut­schem Recht bestehen, das Ange­bot unter der CC Lizenz ist aber unent­gelt­lich nutz­bar.  Es ist aber oft­mals ein schma­ler Grad zwi­schen erlaub­ter ent­gelt­li­cher Nut­zung und erlaub­ter unent­gelt­li­cher Nut­zung von urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Inhal­ten auf sozia­len Platt­for­men. Hier­zu ein aktu­el­ler Fall aus Frank­furt.

Was war pas­siert?

Ein Nut­zer hat­te in sozia­len Netz­wer­ken Bil­der unter CC Lizenz ver­wen­det. Dar­auf­hin wur­de er auf Unter­las­sung und Zah­lung von Scha­dens­er­satz in Höhe von ca. 830€ sowie Erstat­tung von Abmahn­kos­ten in Höhe von ca. 550€ wegen feh­len­der Nen­nung des Bild­ti­tels und Ver­lin­kung auf den Urhe­ber abge­mahnt und — weil die­ser die Abga­be der Unter­las­sungs­er­klä­rung und die Zah­lung ver­wei­ger­te –  schließ­lich ver­klagt. 

Wie kommt das denn?

Foto­gra­fen haben das Urhe­ber­recht an ihren Bil­dern. Ihre Bil­der sind auch in Stock Archi­ven urhe­ber­recht­lich geschützt. Ver­wen­det ein Nut­zer, ein vom Foto­gra­fen im Stock Archiv zur Ver­fü­gung gestell­tes Bild ohne die dafür erfor­der­li­chen Nut­zungs­rech­te inne zu haben, dann darf der Foto­graf den Nut­zer abmah­nen und Unter­las­sung der Nut­zung, Ersatz sei­ner Anwalts­kos­ten und Scha­dens­er­satz gegen ihn for­dern. In die­sem Fall berief sich der Nut­zer aber auf sei­ne Nut­zungs­rech­te nach der (unent­gelt­lich) erwor­be­nen CC- Lizenz. Danach besteht in der Regel grund­sätz­lich auch die Erlaub­nis zur Nut­zung auf sozia­len Medi­en. Aller­dings war die­se kon­kre­te CC-Lizenz anders als ande­re CC Lizen­zen; sie wur­de vom Urhe­ber näm­lich an bestimm­te Bedin­gun­gen geknüpft, näm­lich der Bedin­gung einen Lizenz­ver­merk bei Ver­wen­dung der Fotos anzu­brin­gen. Der Urhe­ber leg­te fest, dass im Fal­le eines feh­len­den Ver­merks, die ein­ge­räum­ten Nut­zungs­rech­te auto­ma­tisch erlö­schen. Der betrof­fe­ne Nut­zer hat­te die Lizenz­be­din­gun­gen nicht gele­sen und infol­ge­des­sen auch kei­nen Lizenz­ver­merk bei der Ver­wen­dung der her­un­ter­ge­la­de­nen Bil­der ange­bracht. Damit hat­te er aber recht­lich kei­ne Nut­zungs­er­laub­nis mehr. Die (erwor­be­ne) CC Lizenz war erlo­schen. Da der Nut­zer kei­ne Nut­zungs­rech­te mehr zur Ver­wen­dung des Bil­des hat­te, wur­de er auch zu Recht abge­mahnt.

Und wei­ter?

Eine Beson­der­heit die­ses Fal­les war aber auch, dass die Abmah­nung nicht vom Urhe­ber selbst, son­dern von einem Ver­ein ver­schickt wur­de. Das Gericht gab in die­sem Fall nur dem Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen den Nut­zer statt. Die Abmahn­kos­ten für den Anwalt und die Unter­las­sungs­for­de­rung des Ver­eins wur­den abge­wie­sen. Denn dem Ver­ein stan­den selbst kei­ner­lei Nut­zungs­rech­te an den Bil­dern zu. Aller­dings hat­te der Urhe­ber die Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wirk­sam an den Ver­ein abge­tre­ten. Daher durf­te der Ver­ein Scha­dens­er­satz im eige­nem Namen gel­tend machen, aller­dings nicht in der gefor­der­ten Höhe von ca. 830€. Nach Auf­fas­sung des Gerichts hat ein Bild, das unter einer CC Lizenz ver­ge­ben wird, einen deut­lich nied­ri­ge­ren kom­mer­zi­el­len und daher wirt­schaft­li­chen Wert, da die CC Lizenz nach Sinn und Zweck eben unent­gelt­lich für die Nut­zer sei. Ande­rer­seits kön­nen Urhe­ber Scha­dens­er­satz vom Nut­zer ver­lan­gen, wenn und soweit nach den Crea­ti­ve Com­mons Lizenz­be­din­gun­gen das wirt­schaft­li­che Inter­es­se des Urhe­bers, z.B. durch die feh­len­de Nen­nung des Urhe­bers bei Ver­wen­dung des Bil­des ver­letzt wird. Wie hoch der Scha­den in einem sol­chen Fall dann aus­fällt, muss aber in jedem Fall ein­zeln geprüft und nach den dadurch erlit­te­nen Ver­mö­gens­ein­bu­ßen bestimmt wer­den.